Nach einem erholsamen - da ausnahmsweise freien - Donnerstag komme ich Freitagmorgen gut gelaunt ins Büro. Schalte meinen PC ein, betätige auch beim Drucker den Einschaltknopf, lausche auf die Geräusche der sich hochfahrenden Elektrogeräte und auf die noch völlig leeren Büroräume. Ich will gerade auf meinem Drehstuhl mit DIN entsprechenden fünf Rollen platznehmen, da ertönt auch schon die Stimme meines Chefs. „Habt ihr das Paket für Herrn Zett gestern weggeschickt?“ Ungeahnt des Wortgefechtes, welches gleich folgen sollte, stehe ich voller Hilfsbereitschaft von meinem normgerechten Bürostuhl auf, umwandere zwei Schrankreihen und steuere auf meinen Chef zu, den ich am Schreibtisch meiner Azubine sitzen sehe. „Hat Sarah das Paket gestern rausgeschickt?“ „Das weiß ich leider nicht, ich war ja gestern nicht da…“ Seine Stimme wird lauter. „Ja, super! Und wo sind die jetzt alle? Hier ist nie jemand da!!!“ „Heinz, die haben heute Schule – du kannst sie doch nicht aus der Berufsschule lassen!“ tadele ich. Auf einmal brüllt er los: „Und was ist das hier? Nie ist einer da, und dann sieht der Schreibtisch auch noch so sch*** aus!!!“ – „Entschuldige bitte, hast du mal auf DEINEN Schreibtisch geguckt?“ „ICH darf das!!“ „Ach ja?? Geh doch mal mit gutem Beispiel voran!!!“ „Alles klar!“, wütend steht er auf und verlässt das Büro. Mich lässt er zurück. Darauf war ich nicht gefasst. War ich zu frech?
Eine Minute später habe ich mich wieder gefangen und nach einer kurzen Revue bin ich überzeugt, im Recht gewesen zu sein. Zwar sah am besagten Tag Sarahs Schreibtisch wirklich nicht ordentlich aus, man muss allerdings wissen, dass sich auf dem Schreibtisch meines Chefs die Papiere bis zu 20 Zentimeter hoch und über ca. 4 m² (jawohl!!) verteilt anhäufen, dort durcheinander liegen und wir als Mitarbeiter wirklich nichts darauf finden können.
Eine letzte Anmerkung möchte und kann ich euch diesbezüglich nicht vorenthalten:
Jede/r neue Mitarbeiter/in, jeder Azubi, die/der ihm zugeteilt wird, ist anfangs top motiviert, Heinz‘ Unterlagen zu ordnen und ihm ein Ablagesystem anzuerziehen – vergebens. Auch ich bin von einigen Jahren bereits kläglich daran gescheitert und mittlerweile kann man hier im Betrieb Wetten darauf abschließen, wie lange der motivierte Neuling seinerseits durchhält, bis auch er sich dem Chaos geschlagen gibt! An guten Tagen lacht Heinz übrigens mit uns über sein offiziell anerkanntes Chaos! :-)
Donnerstag, 2. September 2010
Keiner da!? oder Der Chef darf alles!!
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